Wie Daimler in die Zukunft sah

Vor knapp zehn Jahren gab die Daimler AG den Startschuss für eine neue Ära der Mobilität: Carsharing, Mobility-Apps, Mobility-as-a-Service, On-Demand-Mobility. Dienstleistungen, die heute weltweit verfügbar sind. Doch wie fand das Abenteuer Urban Mobility bei Daimler seinen Anfang?

"Die Zukunft kann man am besten voraussagen, wenn man sie selbst erfindet." So sprach einst der US-amerikanische Informatiker Alan Kay.

Alan Kay kennt sich mit zukunftsorientierter Arbeit aus. Schließlich forschte der heutige MIT-Dozent als leitender Wissenschaftler für Tech-Pioniere wie Atari und Apple, prägte durch sein Konzept von Icons und Fenstern die Architektur grafischer Benutzeroberflächen.

Im Jahr 2007 folgte ein junges Team im Bereich Business Innovation dem Ansatz von Alan Kay: Zukunft voraussagen, Zukunft erfinden. In einem spärlich möblierten Büro, zwischen halbausgepackten Kartons steckten die Gründungsmitglieder an einem regnerischen Herbsttag die Köpfe zusammen und fragten sich, wie urbane Mobilität in 10 bis 20 Jahren aussehen könnte.

Carsharing als kühne Idee

Es wurde so lange mit Ideen jongliert, bis irgendwann die Frage aufkam: Sind alternative Auto-Vermietkonzepte ein potenzieller Massenmarkt? Wie kann man den Verleih von Fahrzeugen automatisieren? Wenig später stand eine kühne Idee: Stadtbewohner sollen Autofahren können, ohne eigenes Auto. Carsharing.

Heute ein prominentes Schlagwort im Automobilkosmos, damals sorgte dieses Konzept zumeist abrupt für kräuselnde Augenbrauen. Zu kompliziert, zu unflexibel, zu intransparent. Eben diese Schwachstellen sollten jedoch angegangen werden. Stadtbewohnern sollte es möglich sein, überall und zu jeder Zeit ohne Grundgebühr auf ein Auto zugreifen können. GPS und dem Smartphone sei Dank. Wenig später wanderte die erste Präsentation unter dem Titel "City Smart" durch die Flure der Daimler AG.

Wie sieht die Mobilität der Zukunft aus? Diese Frage stellte sich ein junges Team im vormaligen Bereich Business Innovation.

Zwei Freunde, (k)ein Problem

Während in Stuttgart versucht wurde, die Kunde der neuen Generation Carsharing zu verbreiten, hatten die zwei Hamburger Jan-Niclaus Mewes und Sven Külper eines Abends in München eine ganz andere Herausforderung zu meistern: Wie kommen wir ohne passende Telefonnummer an ein Taxi? Diese Frage beschäftigte die beiden nicht nur in dieser Nacht.

Wieder sollte eine Verzahnung aus GPS und Smartphone die Lösung bringen – via App, via Standortabfrage. Nur was machen, wenn im Jahr 2008 nicht jeder Taxifahrer mit einem Smartphone unterwegs ist? Dann kommt das Smartphone eben zum Taxifahrer.

Mit Bruder Johannes Mewes machten sich Jan-Niclaus Mewes und Sven Külper in einer kleinen Dachgeschosswohnung unter dem Namen 1touchtaxi an die Arbeit. Grundlagenforschung war gefragt. Gespräche mit Taxifahrern, Handzettel verteilen. Das erste große Investment sah vor, 100 iPhones an Hamburger Taxifahrer zu verschenken und ihnen die Vorzüge dieser kleinen Alleskönner schmackhaft zu machen. Eine große Handy-Verschenk-Aktion auf der Straße? Was zunächst wie eine irrwitzige Idee klang, stellte sich als genialer Schachzug heraus.

Auch bei car2go, wie das Carsharing-Angebot der Daimler AG getauft wurde, ging es mit dem innovativen Konzept auf die Straße. Auf eine enthusiastische Vorbereitungsphase folgte der erste Pilot in Ulm. Aus Ulm wurde Austin, wurde Vancouver. Als car2go 2011 in Hamburg in vollem Umfang an den Start ging, kam wenig später im Bereich Business Innovation von Daimler das nächste Start-up zur Welt.

Mit moovel schließt sich der Kreis

moovel - so der Name der App - wollte Schluss machen mit unnötigem Herumgespringe zwischen diversen Apps, mit unübersichtlichen Bezahlprozessen, um über weite Strecken von A nach B zu kommen. Eine App, eine Route, ein Bezahlvorgang. So entstand die erste Mobilitäts-App der Welt, die das Suchen, Buchen und Bezahlen von unterschiedlichen Mobilitätsangeboten ermöglicht. Quasi eine Art Amazon der Mobilität. Als Belohnung gab es den Deutschen Mobilitätspreis. Städte und Kommunen wurden auf das Angebot aufmerksam. Daimler hatte ein neues, riesiges Kundenfeld entdeckt: urbane Metropolen.

Gleichzeitig wuchs die Begeisterung rund um mytaxi. Auch Daimler war mit der neugegründeten Daimler Mobility Services GmbH als Investor mit von der Partie und unterstützte das Gründerteam mit seinem umfangreichen Netzwerk und Know how.

"Um unserer Vision, Europas größte und beste Taxi-App zu werden, einen Schritt näher zu kommen, brauchten wir einen starken Partner an unserer Seite", kommentierte Jan-Niclaus Mewes die Überlegungen, als mytaxi schließlich Teil der Daimler-Familie wurde.

Daimler Mobility entwickelt Dienste konsequent weiter

Die Daimler Mobility Services GmbH, Tochter der Daimler Mobility AG, übernahm bereits 2011 die Zuständigkeit für die Innovationsschmiede Business Innovation und somit auch das Mobilitätskonzept car2go. Mit moovel sowie der einhundertprozentigen Übernahme von mytaxi entstand durch die Einbindung weiterer Marken und Produkte schließlich ein einzigartiges Mobilitätsökosystem.

Ein richtungsweisender Schritt für das innovative Mobilitätstrio erfolgte schließlich im Jahr Februar 2019. In Berlin besiegelte Daimler gemeinsam mit BMW den Zusammenschluss von car2go, mytaxi und moovel mit den Mobilitätsdiensten der BMW Group. Der Clou dieser neuen Mobilitätsfamilie: Zum ersten Mal wurden Carsharing, Mobility-as-a-Service, Ride-Hailing, Charging und innovatives Parkmanagement unter einem Dach angeboten.

Die Joint Ventures SHARE NOW, FREE NOW, REACH NOW, CHARGE NOW und PARK NOW traten die Herausforderung an, nachhaltige urbaner Mobilität für jeden Kunden so flexibel und komfortabel wie möglich zu machen. Eine Stadt, in der sich alle Arten von Fortbewegung den Wünschen des Kunden anpassen.

Im Februar 2019 bündelten Daimler Mobility und die BMW Group ihre Kräfte.

Vom iPhone, Lewis Hamilton und George W. Bush

Als im Herbst 2007 ein junges Team der Daimler AG in die Zukunft blickte, war das iPhone erst ein paar Monate alt. Lewis Hamilton fuhr seine erste Formel-1-Saison und der US-Präsident hieß George W. Bush. Eine Episode, die knapp zehn Jahre später so wirkt, als würde sie bereits Epochen zurückliegen. Von Wettbewerbern wie Uber, Didi oder Lyft sprach noch niemand.

Aus vermeintlich verrückten Ideen, die bei Kaffee und Bier entstanden wurden über 80 Millionen Kunden*. Aus mutigen Konzepten und Investitionen wurden alleine bei FREE NOW 2 Milliarden Euro Plattformumsatz*. Aus improvisierten Büros und Dachgeschosswohnung wurden 1.300* Städte weltweit, die Mobilität neu erleben.

Unsere Mobility Services heute

  • Gegründet: 2019
  • Hauptsitz: Berlin, Deutschland
  • Produkte: Taxi- und Ride-Hailing-App
  • Marken: Beat (2011), clever, kaptn_, mytaxi (2009)
  • Website: your-now.com/free-now

FREE NOW (ehemals mytaxi) ist einer der führenden Mobilitätsanbieter Europas. Gegründet 2009, als erste Taxi-App, die eine direkte Verbindung zwischen Fahrgästen und Taxifahrern herstellt, ist FREE NOW mittlerweile in über 100 Städten mit mehr als 100.000 Fahrern verfügbar. Über 14 Millionen Kunden nutzen FREE NOW regelmäßig, um stressfrei von A nach B zu kommen. Mit seinen mehr als 750 Mitarbeitern aus 68 Ländern ist FREE NOW in 26 europäischen Offices aktiv. CEO von FREE NOW Europa ist Eckart Diepenhorst. FREE NOW ist Teil des Mobilitäts-Joint Ventures der BMW Group und Daimler AG.

  • Gegründet: 2019
  • Hauptsitz: Berlin, Deutschland
  • Produkte: Mobility-as-a-Service-App
  • Marken: moovel (2013) , ReachNow (2016)
  • Website: your-now.com/reach-now

Die moovel Group - eines der fünf Mobility Joint Ventures der BMW Group und der Daimler AG - wird voraussichtlich im Sommer 2019 in REACH NOW Group GmbH umfirmiert werden. moovel (demnächst REACH NOW) bietet multimodale Erlebnisse für Millionen von Menschen auf der ganzen Welt. Der Mobility-as-a-Service-Pionier ermöglicht den Zugang zu verschiedenen Mobilitätsoptionen sowie mobiles Ticketing. Die Dienste werden in 22 Städten angeboten und aktuell von 7,5 Millionen Menschen genutzt.

In den ersten beiden Quartalen 2019 wurden 16,4 Millionen Transaktionen über die Apps von moovel abgewickelt. Das Ziel des neuen Unternehmens REACH NOW ist es, die führende MaaS-Plattform zu werden. Mobility-as-a-Service steht für die Bündelung verschiedener Arten der Personenbeförderung, wie beispielsweise Bus und Bahn, Carsharing, Ride-Hailing und Bikesharing und E-Scooter in einer App. Die Buchung und Bezahlung erfolgt bequem über ein integriertes Kundenkonto.

  • Gegründet: 2019
  • Hauptsitz: Berlin, Deutschland
  • Produkte: Free-floating Carsharing
  • Marken: car2go (2008), DriveNow (2011)
  • Website: your-now.com/share-now

Überall und jederzeit ein Auto mieten – das ist SHARE NOW. Als Marktführer und Vorreiter des free-floating Carsharing ist SHARE NOW in 30 Metropolen der Welt mit mehr als 20.000 Fahrzeugen vertreten, 3.200 davon elektrisch. Von der Registrierung bis zum Mietvorgang funktioniert alles digital über eine Smartphone-App. Mehr als vier Millionen Kunden nutzen dieses Angebot bereits. SHARE NOW bietet eine nachhaltige Lösung für urbane Mobilität und trägt als Teil des Mobilitätsangebots wesentlich zur Verkehrsentlastung in Städten bei: Denn jedes Carsharing-Auto ersetzt bis zu acht Privatfahrzeuge im Stadtverkehr und wird gleichzeitig bis zu sechs Mal häufiger genutzt. So werden alte private Autos konsequent durch abgasarme und elektrische Carsharing-Fahrzeuge ersetzt.

An vier europäischen Standorten betreibt SHARE NOW rein elektrische Flotten und ist mit insgesamt 13 teil-elektrischen Standorten der größte Anbieter im Bereich des elektromobilen stationsunabhängigen Carsharings. Heute ist der Carsharing-Anbieter in Europa und Nordamerika mit Fahrzeugen der Marken BMW, Mercedes-Benz, MINI und smart verfügbar und baut seine Marktführerschaft im free-floating Carsharing immer weiter aus. SHARE NOW ist eine von insgesamt fünf Mobilitätsdienstleitungen, welche aus dem 2019 gegründeten Joint Venture der BMW Group und der Daimler AG hervorgehen.

  • Gegründet: 2019
  • Hauptsitz: Berlin, Deutschland
  • Produkte: Mobile-Payment für kostenpflichtige Parkplätze und Parkhäuser
  • Marken: Park-line, ParkMobile, Parkmobile, ParkNow (2000)
  • Website: your-now.com/park-now

PARK NOW ist Teil des Mobilitäts-Joint Ventures der BMW Group und Daimler AG und gehört mit SHARE NOW, REACH NOW, FREE NOW und CHARGE NOW zu den fünf wichtigsten urbanen Mobilitätslösungen der Welt. PARK NOW ist der erste Anbieter einer digitalen Komplettlösung sowohl für das Parken am Straßenrand, als auch in Parkhäusern in Deutschland und Österreich. PARK NOW ist bereits in über 150 Städten verfügbar und erweitert kontinuierlich das Netzwerk an Kooperationspartnern und Städten.

  • Gegründet: 2019
  • Hauptsitz: Berlin, Deutschland
  • Produkte: Ladenetz für Elektroautos
  • Marken: ChargeNow (2012)
  • Website: your-now.com/charge-now

CHARGE NOW ist ein Service der Digital Charging Solutions GmbH und trägt mit einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur maßgeblich zur Mobilitätswende hin zum emissionsfreien Fahren bei. CHARGE NOW ermöglicht Fahrern von Elektrofahrzeugen, öffentliche Ladestationen im In- und Ausland einfach und komfortabel zu finden, nutzen und zu bezahlen. Die Digital Charging Solutions GmbH entwickelt Lösungen zur einfachen und einheitlichen Nutzung öffentlicher Ladesäulen für Automobilhersteller und Flottenbetreiber. Mit über 100.000 Ladepunkten in 25 Ländern unterstützen diese „White-Label Lösungen“ die OEMs und Flottenbetreiber dabei, ihre Elektromobilitätsstrategien zu verwirklichen. Kunden profitieren vom grenzenlosen Zugang zu einem der weltweit größten und am schnellsten wachsenden öffentlichen Ladenetzwerke mit derzeit über 250 Ladestationsbetreibern.

September 2007: Zukunft voraussagen, Zukunft erfinden

  • Individuelle Mobilität wird in Zukunft weiter über den Besitz eines eigenen Autos hinausgehen
  • Flexibilität und eine nahezu bedingungslose Verfügbarkeit sind die entscheidenden Schlagworte für Dienstleistungen des 21. Jahrhunderts
  • Das Smartphone wird der perfekte Ankerpunkt, um diese Dienstleistungen zu steuern

*Stand: Dezember 2019

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