SHARE NOW CEO Olivier Reppert im Interview "Unsere Nutzer lieben Autos!"

15. Oktober 2019 - Er mag das Stadtleben, fährt gerne Rad und schätzt den urbanen Mobilitätsmix: Seit dem Frühjahr bringt Olivier Reppert den neuen Carsharing-Dienst SHARE NOW in Fahrt. Im Gespräch erzählt er, wie schnell die ehemaligen Konkurrenten car2go und DriveNow zusammenwachsen und warum es die Lebensqualität in einer Stadt steigert, in Sachen Mobilität die Wahl zu haben.

Herr Reppert, was schafft für Sie persönlich Lebensqualität in einer Stadt?

Lebensqualität bedeutet für mich Freiheit. Die Freiheit, auf unterschiedliche Weise schnell von A nach B zu kommen, besonders wenn die Ziele weit auseinander liegen. Lebensqualität heißt, die Kultur und die Menschen in einer Stadt erleben zu können. Denn was wollen wir? Wir wollen lernen, wir wollen uns weiterentwickeln, wir wollen verstehen. Wir möchten die Vielfalt einer Stadt erleben und dazu einen schnellen Zugang haben.

Als CEO von SHARE NOW haben Sie die Aufgabe, car2go und Drive Now zu vereinen. Wie sieht die Beziehung im Moment aus?

Das Team von SHARE NOW hat die schöne Aufgabe, diesen Zusammenschluss zu gestalten. Für uns ist er perfekt, weil beide Partner, sowohl die ehemaligen Drive Now-Mitarbeiter als auch die ehemaligen car2go-Mitarbeiter, dieselbe Überzeugung haben. Wir glauben, dass uns ein Auto im urbanen Umfeld individuelle Mobilität ermöglicht. Gleichzeitig glauben wir, dass man sich ein Auto teilen kann.

Durch die Vereinigung von BMW und Daimler im Bereich Mobilitätsservice, wird eine umfangreiche Plattform geschaffen.

Wie sind Sie zum Thema Mobilität gekommen?

Als Kind wollte ich Archäologe werden, habe dann Maschinenbau studiert und später bei Daimler in verschiedenen Bereichen gearbeitet. Die Leidenschaft für urbane Mobilität entstand in meiner Zeit bei smart. Für mich war der smart immer das perfekte urbane Auto. Mit viel Freude habe ich dann beobachtet, wie erfolgreich die smarts in der Flotte von car2go waren. Ich bin dankbar jetzt die Gesamtverantwortung für SHARE NOW zu tragen. Ich glaube fest daran, dass wir gemeinsam erfolgreich sein werden.

Welche Herausforderungen stellt diese Gesamtverantwortung an Sie?

Carsharing sieht einfach aus, doch hinterm Vorhang müssen wir eine hohe Komplexität managen. Es gilt, die Verbindung zwischen der digitalen Welt und der konkreten Nutzung eines Autos möglichst einfach zu gestalten. Dabei haben wir eine sehr gute Ausgangslage, denn der Bekanntheitsgrad unserer Marke ist bereits hoch.

Welche Eigenschaften muss man für diese Aufgabe mitbringen?

Ich repräsentiere gerne SHARE NOW, bin aber zugleich Teil des Teams. Als CEO muss man gut zuhören und schnell entscheiden können: Was hat absolute Priorität im Kundenerlebnis und was bedeutet das für die Teams bei der Umsetzung? Außerdem können wir in unserer multidimensionalen Situation nicht immer auf die 100-Prozent-Lösung warten, das unterscheidet uns von traditionellen Unternehmen. Wir müssen lernen, mit Fehlern umzugehen und das eine oder andere nachzujustieren. Vor allem leben wir als Führungskräfte eine offene, unterstützende Kultur. Wenn jetzt zum Beispiel Menschen mit Familien von München oder Stuttgart nach Berlin umziehen, bedeutet das einen riesigen Aufwand. Ich habe selber drei Kinder und weiß, wie es ist, wenn man eine Kita oder eine Schule suchen muss. Diese Veränderung möchten wir wertschätzend begleiten.

Berlin ist die Zentrale von SHARE NOW – nicht Stuttgart und nicht München. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Es war wichtig, für SHARE NOW einen Mittelpunkt, ein Mobilitäts-Powerhouse, zu finden. Berlin ist die Stadt der innovativen Mobilität. Wir haben E-Scooter, Bikesharing, Elektro-Roller und immer wieder neue Angebote bei den öffentlichen Verkehrsmitteln. Berlin steht in besonderem Maße dafür, Mobilität vorauszudenken, querzudenken und ist deswegen ein perfekter Standort für heutige und zukünftige Mitglieder der YOUR NOW-Familie.

Daimler und BMW als Partner von Mobilitätsdienstleistungen: Welchen Wert haben die vereinten Kräfte für den Kunden?

Daimler und BMW sind ja Pioniere des Carsharings. Das Teilen des Autos ist keine disruptive Entwicklung außerhalb der Automobilindustrie. Wir haben es erfunden, das ist ganz wichtig. Daimler und BMW sind weiterhin Konkurrenten, wenn es um den Verkauf von Autos und um die Führungsposition in einem Land geht. Das ist auch gesund so, denn dieser Wettbewerb treibt Innovation und Entwicklung voran. Als SHARE NOW aber stellen wir uns gemeinsam dem Wettbewerb im Markt. Unsere Kunden profitieren von dem vereinfachten Zugang zu einer gemeinsamen Flotte. Das ermöglicht eine deutlich bessere Verfügbarkeit von Fahrzeugen und eine größere Auswahl von Fahrzeugmodellen an verschiedenen Standorten.

Ein Vorteil des Zusammenschlusses ist, dass Fahrzeuge leichter verfügbar sind und es eine größere Auswahl an Fahrzeugmodellen gibt.

SHARE NOW hat sich zuletzt aus einigen kanadischen und US-Städten zurückgezogen. Warum?

Wir denken unternehmerisch und probieren viel aus, um unsere Präsenz im Markt zu stärken. Dazu gehören auch Standorte außerhalb Europas. Wenn wir feststellen, dass geteilte Mobilität in einigen Städten nicht so gut angenommen wird, wie in Europa, ziehen wir uns zurück. Es bleibt das Ziel, profitabel zu sein, deswegen reagieren wir so konsequent.

Da Sie es ansprechen: Was macht Sie optimistisch, mit Carsharing Gewinne zu erwirtschaften?

Wir haben zehn Jahre Erfahrung, die uns den Rücken stärkt, und zwar auf car2Go- und DriveNow-Seite. Dadurch können wir Zahlen vergleichen und Potentiale erkennen. Wir wissen ganz genau, welchen Weg man bestreiten muss, um mit Free-Floating-Carsharing profitabel zu sein. Das kann zwar nicht beliebig von Stadt zu Stadt übertragen werden, aber wir wissen, wie wir steuern müssen, um profitabel zu wirtschaften.

Carsharing ist eine große Sache für nachhaltige urbane Mobilität, weil….

…… weil es eine echte Alternative für die Menschen ist, die in der Stadt kein eigenes Auto besitzen möchten. Weil wir mehr Stadtraum und Parkraum schaffen. Und weil wir Städte bei CO2-Emissionen entlasten. Denn zentraler Bestandteil unserer Strategie ist die Elektromobilität.

In Amsterdam, Paris, Madrid und Stuttgart setzen Sie bereits ausschließlich elektrische Fahrzeuge ein. Ist das Ihr Ziel für alle teilnehmenden Städte?

Die Zukunft ist ganz klar elektrisch. Wir bauen aber keine Infrastruktur auf. Vielmehr arbeiten wir Hand in Hand mit den Städten. Hamburg baut beispielsweise gerade seine Ladeinfrastruktur aus, gleichzeitig nehmen wir immer mehr elektrische Fahrzeuge in die Flotte. Wir wünschen uns, dass die Ladesäulen nicht nur exklusiv für uns, sondern auch zur Nutzung anderer Services oder für den privaten Gebrauch bereitstehen.

Könnte der Service von SHARE NOW dazu führen, dass Nutzer die Elektromobilität für sich entdecken und sich ein Elektrofahrzeug anschaffen?

Ja, denn Elektromobilität ist für unsere Kunden im Alltag erlebbar. Mit unserer Flotte haben Nutzer die Möglichkeit herauszufinden, wie sich ein Elektrofahrzeug anfühlt. Und wir erfahren immer wieder, dass es ihnen großen Spaß macht, elektrisch zu fahren.

In großen Städten hat man eine riesige Auswahl an Fortbewegungsmöglichkeiten. Was bringt mich zu der Entscheidung für SHARE NOW?

Die absolute Freiheit und Flexibilität. Du gestaltest selbst den Weg von A nach B, kannst kombinieren zwischen Carsharing und anderen Services. Und was gibt es Besseres, als heute einen Fortwo nutzen zu können, morgen einen Mini, übermorgen ein 1er Cabriolet und am nächsten Tag einen GLA von Mercedes-Benz? Du hast nicht ein Auto, du hast die ganze Palette. Du kannst dir jederzeit ein Auto nehmen und überall umsonst parken.

Alles in einer App vereint, ermöglicht SHARE NOW eine einfache und flexible Fortbewegung durch die Stadt.

Wie bewegen Sie selbst sich in Berlin fort?

Ich liebe mein Fahrrad, besonders für den Weg zur Arbeit und nach Hause, denn das ist eine Zeit, in der ich vieles aufarbeite. Und dabei bin ich gerne in Bewegung. Aber ich kombiniere auch. Am Wochenende mit unserem Service ins Restaurant zu fahren, später mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause – das ist in Berlin total einfach und eine tolle Art der Fortbewegung in der Stadt.

Könnte man sich bei SHARE NOW ein Auto teilen, um in den Urlaub zu fahren?

Ja, in diese Richtung muss es gehen. Heute noch nicht, weil wir uns auf die Kurzzeitmieten konzentriert haben. Aber wir werden auch in der Lage sein, unseren Kunden für ein Wochenende an der Ostsee ein Auto zur Verfügung zu stellen.

Und trotzdem fällt es einigen Menschen schwer, sich ein Auto zu teilen. Gerade im Autoland Deutschland.

Die Liebe zum Auto bleibt ja trotzdem. In einem Auto hat man Freiheit, Flexibilität und Privatsphäre. Es ist ein schönes Produkt, kann mittlerweile nachhaltig gebaut und nachhaltig genutzt werden. Carsharer haben auch eine emotionale Beziehung zum Auto. Unsere Nutzer lieben Autos, sie verbinden positive Emotionen damit. Aber sie schätzen es auch, dieses Fahrzeug mit anderen zu teilen.

Über Oliver Reppert

1974 in Straßburg geboren, studierte Olivier Reppert an der Louis Pasteur-Universität in Straßburg und schloss mit dem Master of Business and Industrial Engineering ab. Seit 1998 ist er für Daimler tätig. Nach verschiedenen Stationen im In- und Ausland für den Mercedes-Benz Vertrieb wechselte er im Jahr 2010 zu smart und übernahm dort 2014 das Marken- und Produktmanagement. 2016 baute er car2go auf. Im Februar 2019 übernahm Olivier Reppert die Geschäftsführung von SHARE NOW.

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