Wenn Teilen zum Beruf wird Interview über Job Sharing bei Daimler Mobility

18. November 2019 - Car Sharing, Desk Sharing, Kleider Sharing – kurzum: die Sharing Economy boomt. Auch im Arbeitsleben hat sich das Modell “Teilen” mittlerweile etabliert. Beim sogenannten Job Sharing arbeiten zwei Kollegen auf dem gleichen Job. Kann das gut gehen? Wir haben bei uns nachgefragt: Katrin Haas und Markus Darmstadt sind Teamleiter im Change & Transformation Office bei Daimler Mobility und haben vor allem eines gemeinsam: dieselbe Stelle.

Sie teilen sich seit eineinhalb Jahren den Job und kommen dabei auf eine gemeinsame Konzernerfahrung von 28 Jahren. Wie ziehen Sie Bilanz?

Darmstadt: Die Arbeit im Tandem finde ich richtig gut. Ich sage nur Co-Creation – auch wenn das jetzt vielleicht nach Buzzword klingt, aber in einem Tandem stimmt das wirklich. Wir arbeiten beide für und miteinander auf Augenhöhe. Hier gibt es kein Ellenbogenprinzip. Privat habe ich vier Kinder und meine Frau arbeitet in Vollzeit. Daher ist es toll, dass ich beides – mein Privat- und Berufsleben – so gut miteinander vereinbaren kann.

Haas: Das kann ich nur bestätigen. Job Sharing bringt viele Vorteile. Allerdings funktioniert es nur, wenn die Chemie innerhalb des Tandems stimmt. Das ist für mich das wichtigste Kriterium. Darüber hinaus ist Job Sharing ein geniales Modell, das in Zukunft noch weiter ausgebaut werden sollte.

Wie genau funktioniert denn das Job Sharing bei Ihnen?

Haas: Jeder von uns hat seine Themenschwerpunkte. Dennoch legen wir viel Wert darauf, dass der andere immer abgeholt ist und auch zum Thema sprechen kann. Wir arbeiten hier sehr transparent.

Darmstadt: Transparenz war uns von Anfang an wichtig. Denn so kann man auch die Vorteile nutzen, dass noch jemand Zweites mitdenkt und neue Impulse gibt. Außerdem wollen wir als Eins wahrgenommen werden, da wir gemeinsam die Themen verantworten. Das bedeutet auch, dass wir eine gemeinsame Zielvereinbarung haben und auch unser Chef führt das klassische Mitarbeitergespräch nicht einzeln sondern zu zweit mit uns.

Sie arbeiten im Change & Transformation Office. Was genau machen Sie dort?

Haas: Wir bringen Veränderungsprozesse in Teams und Bereichen voran. Zum Beispiel bei der Bewegung ins digitale Zeitalter. Durch die Digitalisierung ergeben sich neue Projekte, neue Prozesse, die auch Auswirkungen auf Job Skills und die Arten der Zusammenarbeit haben. Das sind alles Veränderungen, auf die sich Mitarbeiter einstellen und vorbereiten müssen. Hier greifen wir unterstützend ein und beraten unsere Kolleginnen und Kollegen.

"Job Sharing bringt viele Vorteile", sagt Katrin Haas, die seit eineinhalb Jahren in einem Job-Tandem arbeitet.

Wie geht Ihr Team mit Ihnen als Tandem um?

Haas: Unser Team ist von Anfang an super auf uns eingegangen. Sie schätzen uns als Tandem und sagen, dass gerade die unterschiedlichen Perspektiven einen Mehrwert bringen. Dabei hatten wir zuvor etwas Bedenken, ob denn alle im Team uns als Tandem akzeptieren. Das ist für Mitarbeiter auch gar nicht so leicht. Auch Mitarbeitergespräche führen wir gemeinsam, das ist natürlich erstmal ungewohnt.

Und war Ihre Stelle schon immer als ein Tandem geplant?

Darmstadt: Ehrlich gesagt nein. Wir haben uns damals beide auf die Stelle mit Vollzeit beworben. Unser Chef hat dann letztendlich im Auswahlprozess die Idee gehabt, da er beide unsere Kompetenzen bündeln wollte. Wir haben uns dann im laufenden Bewerbungsprozess kennengelernt.

Haas: Vor der Jobzusage hatten wir bereits Gelegenheit abzuklopfen, was uns beiden im Job wichtig ist. Da ging es vor allem um unseren Anspruch an Führung, was unser Wertesystem ist und wie wir uns eine geteilte Teamleiterfunktion vorstellen. Am Ende hat man auf sein Bauchgefühl gehört und geschaut, ob man sich sympathisch ist. Schließlich arbeitet man als Tandem eng zusammen.

Was ist Ihr größtes Argument für Job Sharing?

Haas: Wir können gemeinsam auf einer Stelle viel mehr Potenzial ausschöpfen. Alleine schon durch die verschiedenen Kenntnisse und Erfahrungen. Markus zum Beispiel hat große Expertise im Personalwesen. Ich wiederum im Projekt- und Portfoliomanagement. Das zusammengefahren ist mehr als eine Person Berufserfahrung.

Darmstadt: Für mich ist das größte Argument, dass man immer einen Sparring Partner hat, der genau weiß, worum es geht. Wir sind beide intensiv in den gleichen Themen drin. Gleichzeitig ticken wir unterschiedlich und betrachten die Dinge von anderen Seiten. Damit steigt aus meiner Sicht die Qualität.

"Transparenz war uns von Anfang an wichtig", erklärt Darmstadt, der sich unter anderem über mehr Flexibilität für sein Privatleben freut.

Wieso haben Sie sich letztendlich für ein Job Sharing entschieden?

Haas: Mit einem Job Tandem kann man auch als Teamleiter in Teilzeit arbeiten. Das ist eine tolle Möglichkeit. Außerdem bin ich der festen Überzeugung, dass ein Job Sharing eine großartige Arbeitsweise ist und viel mehr Potenzial bietet, als wenn man alleine für eine Stelle verantwortlich ist.

Darmstadt: Für mich war das der Einstieg bei Daimler Mobility. Daher habe ich das Job Sharing auch nur als Vorteil gesehen, denn Katrin kannte sich schon aus im Unternehmen. Das hat mir meinen Einstieg erleichtert. Zusätzlich fällt es mir mit 30 Stunden die Woche natürlich leichter mein Privatleben zu organisieren.

Gibt es auch Nachteile?

Darmstadt: Job Sharing erfordert ein hohes Maß an persönlicher Reife. Denn man muss sich mit jemand anderen auseinandersetzen, öffnen und dann auch aushalten. Wie Sie sich vorstellen können, sind wir auch nicht immer einer Meinung. Das mag für manche ein Nachteil sein. Am Anfang musste ich mich auch erstmal daran gewöhnen, dass man wirklich alles teilt. Aber mittlerweile sehe ich das nur noch als Vorteil. Denn ich bin um neue Perspektiven reicher geworden.

Würden Sie Job Sharing weiterempfehlen?

Haas: Definitiv! Ich kann nur sagen - habt mehr Mut zu Job Tandems!

Darmstadt: Auf jeden Fall! Job Sharing ist für mich eines der besten Personaltools, die es gibt.

Infobox

Die wichtigsten Infos auf einen Blick:

  • Job Sharing gibt es bei Daimler bereits seit Mitte der 80er Jahre.
  • Die jetzt für die Daimler AG gültigen Rahmenbedingungen für Job Sharing wurden vor rund fünf Jahren im Zusammenhang eines Projektes zur „Förderung von Flexiblen Arbeitszeitmodellen“ festgelegt.
  • Eine Teilzeit-Community ermöglicht seit März 2015 gegenseitiges Matching und die Suche nach potenziellen Job Sharing-Partnern sowie den Austausch zu Themen rund um Teilzeit und Job Sharing.
  • Derzeit arbeiten mehr als 250 Jobsharer (von der Teamleiter- bis zur Bereichsleiterebene) in Job Sharing-Tandems.
  • Wir haben Ihr Interesse geweckt? Schauen Sie doch mal auf unserer Karriereseite vorbei.

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