Thomas Hengster­mann im Interview "Wir werden an der Spitze des Wettbewerbs stehen"

Daimler Mobility steht mit seinen Lösungen nicht nur für das "S" in CASE, sondern unterstützt jede Säule der Daimler Unternehmensstrategie CASE. Beispielsweise mit dem Team von Thomas Hengstermann, das sich auf das Zeitalter des autonomen Fahrens - dem "A" in CASE - auf eine ganz spezielle Art und Weise vorbereitet. Mehr dazu im Interview mit dem Leiter Autonome Services von Daimler Mobility.

Thomas Hengstermann, Head of Autonomous Services & Portfolio Integration spricht über die Rolle von Daimler Mobility bei der Entwicklung autonomen Fahrens, Herausforderungen für den realen Straßenverkehr und die nächsten potentiellen Testregionen.

Herr Hengstermann, wie trägt Daimler Mobility bei der Entwicklung von autonomen Fahren bei?

Lassen Sie mich vorweg eine Definition unserer Vorstellung autonomen Fahrens geben: Wir sehen dies als Weiterentwicklung auf Basis unserer großen Erfahrung aus FREE NOW, SHARE NOW und REACH NOW. Das heißt, Kunden bestellen ein autonomes Fahrzeug über eine unserer Mobility Services Apps. Sie werden dann fahrerlos von A nach B transportiert. Studien von McKinsey zufolge beläuft sich das Umsatzvolumen in diesem Geschäftsmodell auf € 400 Milliarden Markt p.a. in 2030. Erste Kundenbefragungen bestätigen das große Interesse und die Zahlungsbereitschaft für einen solchen Service.

Thomas Hengstermann, Head of Autonomous Services

Daimler Mobility bildet also die Infrastruktur?

Daimler Mobility trägt über einen großen Teil der zukünftigen autonomen Wertschöpfungskette der Entwicklung autonomen Fahrens bei. Wir arbeiten sehr eng mit unseren Kollegen bei R&D zusammen, die das AD Kit und die passenden Fahrzeuge entwickeln. An die Kollegen tragen wir die Kundenanforderungen und Perspektiven über unsere Erfahrungen aus der Daimler Mobility Services Group heran.
Gemeinsam gestalten wir die Customer Journey und beschäftigen uns bereits heute intensiv mit dem Service Design. Darüber hinaus gilt es, eine große Flotte autonom fahrender Fahrzeuge zu finanzieren und zu managen. Mit Mercedes-Benz Financial Services und Athlon haben wir da starke Voraussetzungen. Aber auch aus den Erfahrungen von SHARE NOW im täglichen Betrieb und der Optimierung von Flotten profitieren wir enorm.
Am Ende der Wertschöpfungskette werden die autonomen Fahrzeuge über unsere Mobility Services dem Kunden angeboten. In allen diesen Bereichen investieren wir als Daimler Mobility. So sind wir gut aufgestellt für die Zukunft und werden an der Spitze des Wettbewerbs stehen.

Was sind die größten Herausforderungen, bis ein Wagen tatsächlich fahrerlos am Straßenverkehr teilnehmen kann?

Zunächst einmal gilt es, die Entwicklung der Hardware und Software für das AD System zu meistern. Das ist eine große Herausforderung. Hier geht v.a. auch Qualität, Sicherheit und Zuverlässigkeit über Schnelligkeit. „Zuverlässig“ impliziert, dass wir den Kunden bei Wind und Wetter und unterschiedlichen Verkehrssituationen im Sinne von Baustellen, Fahrverhalten, etc. ans Ziel bringen. Auf unserer Seite im Service Design und der Geschäftsmodellentwicklung besteht die Herausforderung darin, die Anforderungen der Kunden „vorwegzunehmen“. Die Annahme des Services durch die Kunden wird entscheidend sein. Das sind komplexe Fragestellungen. Dies frühzeitig zu validieren und zu testen ist enorm wichtig. Aber auch die rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen und Voraussetzungen müssen geschaffen sein.

Im Herbst 2019 soll das Projekt in San Jose starten.

Nach welchen Kriterien suchen Sie und ihr Team Pilotstädte aus?

Zwei entscheidende Faktoren ziehen wir dafür heran. Erstens, die regulatorische Erlaubnis und die Partnerschaft mit einer Stadt, um Pilotbetriebe autonom fahrender Fahrzeuge zu starten. Zweitens, ist die Nähe zu unseren Research & Development Standorten sehr hilfreich für einen erfolgreichen Testbetrieb. Darüber hinaus schauen wir auf Städte, die in unseren Mobility Services gut laufen und vielversprechende ökonomische Rahmenbedingungen bieten.

Peking, Silicon Valley und was kommt als nächstes?

Wir stehen mit verschiedenen Städten in Kontakt. Auf jeden Fall planen wir mit einem signifikanten Wachstum in vielen Städten und Ländern bis 2030 und darüber hinaus.

Warum eigentlich autonomes Fahren - sind wir nicht viel selbstbestimmter und flexibler als Fahrer im eigenen Wagen?

Dies ist von Person zu Person unterschiedlich. Kundenbefragungen zeigen, dass bereits heute 20% der Bevölkerung in den USA einen autonomen Fahrdienst nutzen würden. Wenn man auf aktuelle Kunden von Mobilitätsdienstleistungen in Europa und den USA schaut, ist dieser Wert sogar bei 80%. Persönlich sitze ich täglich mindestens 2 Stunden im Auto. Hier finde ich es einen Gewinn an Lebensqualität, diese Zeit perspektivisch mit anderen Dingen als Fahren zu füllen. Trotzdem wird es noch mindestens bis 2030 brauchen, bis das eigene Fahren in signifikantem Maße durch autonomes Fahren ersetzt wird und die vielfältigen Situationen des täglichen persönlichen Mobilitätsbedarfs abgebildet werden können.

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